Heute vor 20 Jahren.

by Rozana

 

Heute ist wieder einer dieser Tage, wo ich dasitze und nachdenke. Nachdenke über mein Leben. Vor zwanzig Jahren ist mein Vater gestorben. Und zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Nun, ich war damals sechs Jahre alt, kann mich nur bruchstückweise an ihn erinnern. Mutter hat oft erzählt, wenn er am Leben geblieben wäre… Ja. Wenn er am Leben geblieben wäre, hätte ich noch drei jüngere Geschwister und würde wieder in Kroatien leben. Vermutlich mit einer “anständigen” Berufslaufbahn. Wer weiss, vielleicht wäre ich schon verheiratet und hätte drei Kinder?
Keine Ahnung, wie es gelaufen wäre. Ich weiss auch nicht, was besser oder schlechter ist. Jetzt, mit 26 noch eine zweite Ausbildung machen, dafür aber in einem Bereich, den ich locker als meine Berufung ansehe? Oder würde ich jetzt “daheim” sitzen und meinem dritten Sohn die Windeln wechseln?
Ich wette, ich wäre mit der Windelwechselgeschichte auch glücklich. Vielleicht auch glücklicher als ich es jetzt sein kann. Andererseits, ich meine, ich lebe in einem wunderbaren Land (okay, es gibt bessere, aber ich liebe Deutschland nunmal), arbeite in einer guten Agentur und hab’ nicht nur einen fabelhaften Mann an meiner Seite, sondern auch sehr gute Freunde. Hätte ich das alles anderweitig auch?

Nun, diese Überlegungen gleiten schnell ab. Was wäre, wenn? Ich wäre froh darum, wenn mein Vater am Leben wäre. Und ich würde sicherlich dann auch meine (fiktive) Situation gutheissen.
Nichtsdestotrotz liebe ich meine jetztige, reale Situation (auch wenn grad Schule und Arbeit ein wenig schlauchen und ich am liebsten einfach mal drei Tage durchschlafen möchte).
Wie auch immer. Es ist ja nicht so, dass Vater nicht mehr da ist. Er ist da. Nur eben sein Körper nicht. In meinem Herzen lebt er weiter.

Heute ist in seinem Namen eine Kirchenmesse in seinem Dorf. In Gedanken bin ich dabei. Tata, ja sam uvjek tvoja.

 

6 Antworten zu “Heute vor 20 Jahren.”

  1. Tut mir leid wg. Deinem Vater.
    Ich kann Deine Gefühle und Deine Gedankengänge sehr gut nachvollziehen und nachspüren.
    Mein Vater ist vor 4 Jahren gestorben. Ich habe ihn jedoch nie wirklich kennengelernt, da er sich, als ich ca. 1 oder 2 Jahre alt war, von meiner Mutter getrennt hat.
    Zeit zum Kennenlernen und Treffen war immer. Zumal er in Stuttgart gelebt hat. Doch er war krank (Depressionen) und ich nicht bereit dafür… und dann passierte es und meine Chance ihn mal zu treffen war futsch…
    Habe daher auch öfter solche Phasen in denen ich mir diese ganzen hätte, wäre, wenn, was, warum-Fragen stelle…

  2. Danke, aber leid tun braucht es Dir nicht.
    Es ist wohl der Lauf der Dinge, dass Menschen uns irgendwann verlassen. Und irgendwie immer zu früh.

  3. Ja, is sehr traurig! Aber was trauriger ist, ist die tatsache, dass deine seite mir nen trojaner anzeigt. Also mein virenprogramm. Shame on you!

  4. ja, wie wäre es gelaufen wenn…
    in dem Alter, als du deinen Vater verloren hast, habe ich meinen geliebten Großvater verloren, und da ich mich mit meinem Vater überhaupt nicht verstehe, habe ich mich auch schon mal gefragt, was wäre geschehen, hätte mich mein Großvater länger begleiten können…
    manchmal hilft es, einfach darüber nachdenken zu können

  5. thommy::
    mit der info kann ich wenig anfangen.

  6. Gernot H::
    und nicht immer braucht man zwingend eine antwort.

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