Dresden: Samstag.
by RozanaKommen wir zum samstäglichen Dresdentrip.
Nachdem wir Freitag ganz brav ganz früh ins Bett sind, sind wir dementsprechend auch wieder früh aus den Federn: um halb acht klingelten unsere Wecker um die Wette - und nach einer erfrischenden Dusche und einem sättigendem Frühstück waren wir dann auch startklar für den leider etwas trüben Samstag.
Unser erstes Ziel war das “Grüne Gewölbe” - ausverkauft bis ‘07, aber es geht auch ohne “Vorbestellung”
, denn das Museum bietet täglich 200 Zeitkarten, die man nur direkt an der Kasse bekommen kann. Um zehn machen sie auf, um viertel nach neun standen wir schon tapfer davor - und waren bei weitem nicht die ersten.

Aber es klappte. Nach vier Cappuccino2go und drei musikalischen Schweizern (was auch immer der Grund für diese kleine Show war) ging es rein.
Es war schlichtweg gigantisch.
Nach ziemlich hohen Sicherheitsvorkehrungen (alles abgeben und ab durch zwei Sicherheitsschleusen) kamen wir endlich ins “Bernsteinzimmer”, dass sehr klein und auf den ersten Blick nicht sonderlich imposant wirkte - aber dank Audio-Guide, unserem kleinen persönlichen Museumsführer im Handyformat wurde uns das Gegenteil bewiesen.
Schatullen und Schmuckkassetten aus geschnitztem Bernstein in Goldfassung - alles so dünn, dass das Licht sich problemlos darin bricht, oder Wasserschalen, die in dem rötlich-braunem Glanz ganze Legenden erzählen.
Willkommen im Elfenbeinzimmer.
Gedrechselte Kerzenständer, bis zu einem Meter hoch - und komplett aus einem Stück. Elfenbeinfiguren, die so gebrechlich wirken und uns trotz des hohen Alters schneeweiss anleuchten? So eine Sammlung zu sehen, die so abwechslungsreich und filigran vor uns steht, lässt vergessen, dass dieses edle Material im Endeffekt doch nur “Zahn” ist.
Im Weißsilberzimmer begrüßt uns eine zinnoberrote Wandverkleidung, wir sehen uns in hunderten von kleinen Spiegeln, die das Zimmer gigantisch groß wirken lassen - und auf den Konsolen sehen wir Figuren aus dem edlen Metall, Gefässe aus Serpentin (Schlangenstein) und auch Kokosnuss. Auch hier gibt es grosse Elfenbeinstatuen, elegant mit dunklem Holz verziert… Und alles feinste Handarbeit.
Wir gehen weiter ins silbervergoldete Zimmer - und die Zimmer werden nach und nach pompöser, reicher, edler, prunkvoller. So auch das Material. In dem grünverkleideten Raum voller Spiegel stehen silberne Gefässe, die vergoldet wurden, Trinkgefässe aus Rubinglas (Glas, dem im flüssigen Zustand Goldstaub hinzugefügt wurde, um es rot zu färben).
Und nun zum grössten und elegantestem Raum, dem Höhepunkt: Der Pretiosensaal - der Namensgeber des “grünen” Gewölbes. Denn der komplette Raum wurde grün getäfelt und verspiegelt. An den Wänden hingen auch noch lebensgroße Gemälde damaliger Fürsten, und auf den Konsolen strahlten uns Schalen aus Lapislazuli und anderen, schönen Edelsteinen an - Gläser aus klarem Bergkristall, mit Gold umfasst und die Handwerker wussten auch, aus Strausseneiern reichverzierte Gefässe zu zaubern.
Das Imposanteste allerdings war das Gemälde mit dem jungen Prinzen und seinen Tugenden, die als Frauen dargestellt wurden. Das Bild wurde nicht gemalt - es wurde rein aus geschnittenen Edelsteinen gebaut. Dreidimensional. Wahnsinn.
Danach ging es ins Wappenzimmer, eine beruhigende Abwechslung für die Augen. Denn es war schlicht aus geschnitztem Eichenholz und kupfervergoldeten, filigranen Wappen an der Wand. An einigen waren starke Brandspuren zu sehen, zum Teil sind sie komplett geschmolzen - aber ein paar waren unversehrt, und man konnte sich durchaus vorstellen, wie das Zimmer früher ausgesehen haben musste.
Zudem stand früher in der Mitte des Raumes eine tatsächlich automatisierte Frauenstatue, die Geräusche von sich gab. Ein Geschenk, welches aber August der Starke auf seinen eigenen Willen heraus entfernen liess.
Weiter geht’s zum Juwelenzimmer, in dem der Festschmuck August des Starken hinter Glas präsentiert wurde. Von kompletten Saphir-, Smaragd- und Rubinsets funkelten uns auch 32-fach facettierte Brilliantkronen und -broschen an, aber am beeindruckendsten war die Schildpattgarnitur. Nicht wegen des Materials, sondern wegen der Kleinarbeit, die dahinter steckte. Ich gehe jetzt nicht zu sehr ins Detail, Schmuckuninteressierte dürfte das Palaver ohnehin schon nicht mehr interessieren.
Anschliessend schritten wir noch durch das Bronzezimmer und bestaunten Figuren aus der rötlich-schwarzen Metalllegierung, und am Ende gab es noch einige kleine aus der Renaissance - und jede wusste eine Geschichte zu erzählen.
Die Ausstellung lohnt sich, auch wenn sie 10,-€ kostet. Es ist einfach faszinierend, durch diese Räume zu gehen und sich zu fragen, ob sie wirklich aus diesen edlen, feingearbeitetn und auch wertvollen Behältnissen getrunken oder sich die Gesichter darin gewaschen haben. Und auch die Wände an sich mit den vielen Malereien und Spiegeln schenken dem grünen Gewölbe einen Reichtum, den man einfach sehen muss.
[hier der historische Hintergrund.]
Als wir wieder draussen waren, ernüchterte uns allerdings das schlechte Wetter und die Tatsache, dass wir nirgends hineinkamen.
Semper-Oper: ewig lange Schlange, quer über den ganzen Platz.
Frauenkirche: dreimal so lange Schlange, und ab Nachmittag wegen einer Trauung geschlossen. Das galt auch für den Turm, bei dem der Eintritt ohnehin sagenhafte 8,-€ kostete.
Zwinger: das, was wir sehen durften, war draussen. Und es regnete.
Kreuzkirche: da war es kein Problem, reinzukommen. Als wir drinnen waren, wussten wir, wieo: Egal, wie schön sie von aussen war, so kahl wr sie von innen. Aber auf den Turm konnten wir problemlos (und fast kostenlos) - und bestaunten ganz Dresden…
Und egal, wo wir waren: vorbestellen…
Umso schöner, dass wir noch den Sonntag hatten.
Dazu ein ander Mal mehr.
Weil ich so deprimiert war über das Wetter, hier Bilder “auf meine Weise”:














Manchmal möchte ich mein Leben auch retuschieren.
Aber sicher nicht jetzt, oder? Für Sonntag fände ich es geil - einfach Farbkorrektur und die Wände sind wieder weiss.
Toller Bericht, wirklich gut geschrieben!
Hab beschlossen, dass ich da auch mal hin muss…
Jetzt haben wir ja sogar ohne Retusche wieder ganz nettes Wetter. Morgen soll’s sogar nochmal ein Grad wärmer werden (Wink mit dem Zaunpfahl)!
Oh je, morgen bin ich schon verplant!
Hoffen wir auf Donnerstag?
Sehr glaubwürdiges Wetter, aber Dresden rockt auch im Regen
Irgendwas gegen mein vollkommen natürliches Cyan?
Na ja, von “Rocken” haben wir nicht viel gemerkt - sind kaum Jugendliche dort gewesen - und wenn doch, dann unter 18…
Hmmm… Donnerstag. Kommt auf die Uhrzeit an. 17 Uhr ist ne Veranstaltung, wo ich wohl hinwill. Wetter wird jedenfalls schlechter, aber das ist ja auch kaum anders zu erwarten. Ein Grad wieder runter und 10-40 % Regenwahrscheinlichkeit.
[...] Asche auf mein Haupt. Die Tage vor dem letzten Wochenende waren so stressig, dass ich meinen schon lang geschriebenen Bericht zwar die ganze Zeit in den Startlöchern hatte, aber wegen der noch nicht fertigen Bilder vorerst im Hintergrund gehalten habe. Was dazu geführt hat, dass alles so ein wenig versumpft ist. Ihr erinnert Euch? Ich war neulich in Dresden. [...]