Prüfung - ein Rückblick.

by Rozana

Es ist vorbei. Wochenlanges Lernen, schweißgebadetete Nächte, panische Attacken und nervöses Augenzucken haben sich innerhalb von zwei Tagen in Luft aufgelöst.
Allerdings hielt die Panik bis zur Ankunft im Prüfungsraum an - Chaos war vorprogrammiert.
Um genügend Zeit zu haben, mich in der Schule an das angespannte Klima zu gewöhnen, beschloss ich natürlich, mindestens eine halbe Stunde früher dort zu sein. Schließlich ist so ein kleiner Puffer nie schlecht.
Pustekuchen! Ich bin zwar wirklich zeitig losgefahren, aber der Stau hat mir komplett den Wind aus den Segeln genommen. Panik.
Stop and Go. Bei jedem Stop Schweißausbrüche.
Na ja, hat ja noch hingehauen, eine Viertelstunde hatte ich noch, in fünf Minuten wäre ich an der Schule gewesen. Ich also auf die Rechtsabbiegerspur, so wie jeden Berufsschulmorgen, setze artig meinen Blinker, die Ampel ist rot und… die Straße nach rechts war zu. “Wegen Umbau ab 08.05.07 gesperrt - Wir bitten um Ihr Verständins.”
Ausgerechnet Dienstag morgen.
Todesangst. Klassenkameradin angerufen und nach ‘nem Umweg gefragt. Einzige Möglichkeit: ein U-Turn links ab, dummerweise waren drei Spuren zwischen mir und dem U-Turn, meinem Retter. Und ein Polizeiwagen. Geradeaus wäre ich in den Berufsverkehr stadteinwärts gerutscht. Dann wär’s vorbei gewesen.
Ich also mit dem Handy am Ohr bei der nächsten Grünphase von komplett rechts nach komplett links gezogen. Ich will gar nicht wissen, wie die Polizisten geguckt haben, aber gottseidank wurde ich nicht aufgehalten. Hatten wohl einen guten Tag.
[Ohnehin kursierte die Geschichte herum, dass vier weitere Prüflinge im Stau standen, panisch die Polizei riefen und diese sie dann mittels Blaulicht durch den Verkehr gelotst haben soll... Wenn das stimmt: Tolle Sache, Jungs!]

Es war knapper als knapp, aber ich habe es geschafft. Punkt neun Uhr eins hechtete ich in den Prüfungssaal.

Und es konnte losgehen.

Wie schon bekanntgegeben, war die erste Prüfung im Bereich Konzeption und Gestaltung.
Dass uns mal ein Lehrer sagte, dass die erste Aufgabe immer leicht sei (um warmzumachen), war gelogen.
Also erstmal umgeblättert… 10 von den 12 “fachübergreifenden” Fragen (je 6 Punkte) durften wir streichen, 1 von den restlichen “fachspezifischen” 5 (je 10 Punkte) ebenfalls.
Ich hätte locker vier rausstreichen können, der Rest war es eine Mischung aus Halbwissen und Glücksspiel. Nicht, dass ich nicht gelernt hätte (das hab’ ich ja!), sondern irgendwie haben die Herren Prüfer genau meine Lücken erwischt. Warum hätte ich auch etwas über Videostreaming oder Kabelaufbau lernen sollen…? Pö.
Die fachspezifischen waren eigentlich ganz okay, nur dass ich selbst überrascht war, dass ich genau das Thema (Gestaltungsprinzipien - einfach über ein Bild labern, was das Zeug hält), was ich eigentlich am besten konnte (zumindest dachte ich das) durchgestrichen habe. Na ja, wahrscheinlich wehrte ich mich einfach, ein McDonald’s-Plakat nach den Gestaltgesetzen zu analysieren… Da habe ich lieber über Schmal- und Breitbahnen geredet und irgendwelche Verpackungen in Herzchen-Forn gezeichnet. Wie auch immer.

Medienintegration und Medienausgabe ist reines theoretisches Fachwissen, mit Formeln und Wortschleudern zuhauf. Da ich schwach in Mathe bin, lag mein Lernschwerpunkt in genau diesem Bereich. Der Rest, Colormanagement und Ausschießen war als Schwerpunktthema eigentlich okay.
De facto: Es kamen in den insgesamt 17 Aufgaben genau zwei Rechenaufgaben vor. Super. Und von den Schwerpunkten, u.a. zweimal Colormanagement, dann auch noch zwei Fragen über Rendering Intents… Praktisch, dass ich mir genau das nicht so genau angeschaut habe.

Das Schlimmste war rum. Kommunikation? Ein bisschen Englisch und eine kleine Deutsch-Aufgabe… Hey, kein Thema.
Bis ich die Fragen bekommen habe. Der englische Part war seltsam, aber behandelbar. Der deutsche Teil… Tja, hätte ich bloß die Fragen verstanden. Aber beruhigend, dass es nicht nur mir so ging.

Das war der erste Tag.

Ich also schnell heim, mir nochmal Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde reingeböllert (so gut es ging) und morgens zeitig losgefahren.
Halbe Stunde früher da gewesen, ein paar Sachen noch durchgesprochen, in den Prüfungsraum hineingelaufen, hingesetzt und losgelegt. Um den zweiten Tag mal kurz zusammenzufassen: locker.
Auf die Fächer was zu lernen hätte ich mir eigentlich sparen können.

Zumindest, was mein Gefühl mir sagt. Ergebnisse kommen irgendwann im Juli, davor ist noch die praktische Prüfung - mal sehen, was da auf mich zukommt.

In diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mir die Daumen gedrückt und an mich gedacht haben - ich wette, es hat geholfen! Dieses miese Gefühl ist inzwischen bisschen verblasst, Euphorie kommt langsam hoch und nach ein paar Tagen “chillen” ist auch die Power wieder da.
Amen.

4 Antworten zu “Prüfung - ein Rückblick.”

  1. :-) also alles halb so schlimm

  2. ist es oft nicht das unbekannte, unkontrolierbare das unser Leben so schön macht! :D
    vor allem die Tatsache, daß Mann - ähm entschuldige - Frau doch immer Herr der Lage wird. :D

  3. Bin froh zu hören, dass

    1. auch eingefleischte Städter so ihre Probleme im Stuttgarter Verkehr haben - nicht nur wir Landeier.

    2. du es trotzdem noch rechtzeitig geschafft hast. Übrigens kostet ein Headset nicht halb so viel wie die Strafe fürs telefonieren am Steuer.

  4. Marcel:
    Offiziell gehöre ich zwar zu Städtern, aber eigentlich bin ich ein Landei. Unabhängig davon habe ich keinen Orientierungswert, ich verlaufe mich sogar in der Königstraße sehr leicht…
    Und ich hatte ein Headset. Es dauerte mir nur zu lange, es einzustöpseln und in die Ohren zu wurschteln, zumal die eh nie halten… Ist ja aber nochmal gutgegangen…

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